Pater Jeremias zu Besuch

Vor über 500 Jahren nahm mit dem Anschlag der 95 Thesen durch Martin Luther die Reformation ihren Anfang. Luther war damals Augustiner Mönch und wollte mit seinem Handeln eine Reform der Kirche erreichen, keine Spaltung. Wie stehen heute Vertreter des katholischen Augustinerordens zu ihrem ehemaligen Mitbruder und wie leben heute Mönche in einer Ordensgemeinschaft? Mit dieser und vielen weiteren Fragen beschäftigten sich die Schüler der 8. Jahrgangsstufe beim Besuch von Pater Jeremias, OSA, am 26. Oktober 2018.

Jeremias den charakteristischen schwarzen Habit, bei dem es auf den ersten Blick keinen großen Unterschied zu Luthers Ordensgewand gab. Er referierte in seinem Vortrag zunächst über das Leben und Wirken Luthers und konnte dabei auf das Vorwissen aus dem Religionsunterricht aufbauen. Dass er dabei auf große Resonanz stieß, zeigten die vielen interessierten Zwischenfragen seitens der Jugendlichen. Danach erzählte er von seinem eigenen Werdegang als Mönch und Seelsorger. Er war als junger Mann mit 20 Jahre der Gemeinschaft der Augustiner beigetreten und wirkte fortan in unterschiedlichen Häusern des Ordens, unter anderem in Weiden und Müllnerstadt. „Unsere Konvente verlieren seit Jahren an Mitgliedern, derzeit sind wir rund 70 Brüder deutschlandweit,“ berichtete Pater Jeremias. Deshalb wurden in der Vergangenheit immer mehr Häuser geschlossen, was zum Teil sehr schmerzliche Einschnitte für die Mönche bedeutete. 2013 fassten die Augustiner den Entschluss, den Schließungen von Standorten einen Gegenpol zu setzen, in dem sie in Erfurt einen Neuanfang wagten. „Zum dritten Mal sind damit Augustiner Mönche in Erfurt,“ erklärte Jeremias. Aber dieser neue, kleine Konvent befindet sich nicht mehr im mittlerweile evangelischen Augustinerkloster, in dem schon Martin Luther lebte, sondern in einem Haus der evangelischen Regler Gemeinde. Dort wohnen gerade vier Patres wie in einer WG zusammen. Neben ihrer täglichen Arbeit, zu der auch die Seelsorge in der Diözese Erfurt gehört, kümmern sie sich selbst um die Aufgaben im Haushalt. Pater Jeremias hatte in seine Power-Point-Präsentation mehrere Bilder eingebaut, auf denen die Mönche beim Kochen, Putzen und Einkaufen zu sehen waren. Das gefiel den Schülern besonders, weil es einen lebendigen Eindruck aus dem heutigen Mönchsalltag vermittelte.

Im  letzten Teil seines Vortrags stellte Pater Jeremias dar, dass Martin Luther ein Bindeglied für die Ökumene sein kann und wie die gelebte und gelingende Ökumene in Erfurt aussieht. Die evangelische Regler Kirche wird für die katholischen Gottesdienste der Augustinermönche genutzt. „Wir machen bewusst ein Angebot für alle Menschen in Erfurt, egal ob sie einer der beiden großen Konfessionen angehören, oder ob es sich um „Naturbelassene“ [a. d. Red.: Ungetaufte] handelt,“ so Jeremias. Unter anderem veranstalten die Patres regelmäßig moderne Gottesdienstformen wie Moonlight Messen oder Schattentheater mit Flüchtlingen. Zum Schluss nutzten die Schüler noch einmal die Gelegenheit, um den Ordensmann Fragen zu stellen, die alle sehr geduldig und ehrlich beantwortet wurden.