BiSS

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1. VORAUSSETZUNGEN VON BiSS

Seit dem PISA Schock vor rund 15 Jahren wurde man sich der Verantwortung gegenüber den Schülern hinsichtlich Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung noch mehr bewusst.

Die Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“, kurz BiSS, ist ein bundesweites fünfjähriges Forschungs- und Entwicklungsprogramm für den Elementar- und Primarbereich sowie die Schulen der Sekundarstufe.

Die in den verschiedenen Bundesländern eingeführten Angebote zur Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung werden wissenschaftlich überprüft und weiterentwickelt. Der Fort- und Weiterbildung des pädagogischen Fachpersonals in den Kindertageseinrichtungen sowie der am Projekt beteiligten Lehrkräfte gilt dabei ein besonderes Interesse.

2. SCHWERPUNKTE DER FÖRDERUNG

Für die Sekundarstufe sind dies die Module: (Modul = besonders wirksame Maßnahmen, geprüft durch Wissenschaft und Praxis, für die sprachliche Bildung und Förderung)

• Diagnose und Förderung der Leseflüssigkeit

• Vermittlung von Lese- und Schreibstrategien im Verbund

• Selbstreguliertes Lesen und Schreiben

• Sprachliche Bildung in fachlichen Kontexten

• Medieneinsatz: Schreiben und Lesen mit digitalen Medien

3. KONKRETE UMSETZUNG der ZIELE von BiSS in der SEKUNDARSTUFE

Es ist ein erklärtes Ziel der Schule, den im zunehmenderen Maße auftretenden Problemen bei der Leseflüssigkeit und beim Textverständnis zu begegnen.

Nicht nur das Fach Deutsch hat die Aufgabe, Sprache und Arbeit mit Texten zu vermitteln, sondern alle Fächer sind im Rahmen des sprachsensiblen Fachunterrichts dazu aufgefordert.

WAS GESCHIEHT KONKRET AN UNSERER SCHULE?

3.1 TESTS

Zu Beginn des Schuljahres 2014/15 fanden in den 5. Klassen klassenübergreifend und auch zugleich an allen BiSS Schulen Oberfrankens Tests statt, um die Bereiche

• „Textverständnis“,

• „Sprachlicher Ausdruck“,

• „Hörverstehen“,

• „Schaubilder lesen“,

• „Grammatik“ und „Rechtschreibung“ zu

überprüfen.

Die Tests wurden am Anfang nicht bewertet.

Der Verbund (= Zusammenschluss von Grundschulen, Realschulen und Gymnasien) Oberfranken West und Ost erstellte selbst Auswertungsmasken, um die einzelnen Klassen der verschiedenen Schularten vergleichen zu können. Am Schuljahresende soll ein ähnlicher, im Niveau angepasster Test wiederholt werden, so dass geprüft werden kann, ob und inwieweit die ergriffenen Maßnahmen erfolgreich waren.

Im Laufe des Schuljahres werden vielfältige Möglichkeiten zur Sprach- und Leseförderung eingesetzt, die auch für die Sachfächer von Nutzen sind, da Lesen und Textverständnis in jedem Fach eine herausragende Rolle spielen.

3.2 TEXTDETEKTIV – TEXTKNACKER – TEXTSTRATEGE

Eine hohe Bedeutung haben in diesem Zusammenhang die von den beiden oberfränkischen BiSS-Verbünden erarbeiteten Lese-Fächer, die Strategien zum Verständnis und zur Bearbeitung von Texten enthalten. Sie sind so aufgebaut, dass bei Bedarf auch ein Schritt ausgelassen und schwerpunktmäßig gearbeitet werden kann:

  • Der Textdetektiv ist einsetzbar für die 3. und 4. Klasse der Grundschule und legt eine solide Basis für die Weiterarbeit mit Texten an den weiterführenden Schulen.
  • Der Textknacker ist gedacht für die 5. bis 7. Klasse und führt die Schüler an Textbearbeitungs-strategien heran, die ihnen letztlich auch in den Sachfächern zu Gute kommen werden. Für den Deutschunterricht ist der „Textknacker“ deshalb so hilfreich, weil er auf das Gliedern eines Textes in Sinnabschnitte, die Analyse der Absicht, der Textsorte und die Strukturierung eines Textes abzielt, was wiederum für das Erstellen von Referaten, Exzerpten und Präsentationen nützlich ist.
  • Der Textstratege für die Jahrgangsstufen 8 bis 10  verfeinert die Ziele des „Text-knackers“ und ist noch mehr auf eine konkrete Hilfestellung für den Textgebundenen Aufsatz ausgerichtet.

3.3 BÜCHEREIBESUCH

In Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei Wunsiedel werden die Kinder mit Büchern in Kontakt gebracht und zum Selbstlesen angeregt. Dabei können die Schüler in der Bücherei selbst fündig werden, Fragen stellen, das Ausleihsystem kennen lernen und dadurch die Freude am Lesen intensivieren.

 3.4 BÜCHERWOCHE

In Kooperation mit der Buchhandlung Budow, Marktredwitz, findet jedes Jahr vor Weihnachten eine Woche lang eine Buchausstellung mit sehr gut ausgewählten Werken für die jeweilige Altersstufe statt. Dabei können die Schüler in den Büchern schmökern und werden animiert, selbst Bücher zu kaufen und zu lesen.

3.5 LESEFFLÜSSIGKEITSTRAINING

Es wird vielfach beklagt, dass die Schüler nicht mehr flüssig lesen können, was sich negativ auf das Textverständnis auswirkt. Deshalb werden in diesem Zusammenhang konkrete Übungen durchgeführt, die die Konzentration und dadurch auch die Fähigkeit zum flüssigen Lesen schulen.

3.6 THEATERBESUCHE

Durch Theaterbesuche oder Theaterworkshops an der Schule in Zusammenarbeit mit der Luisenburg sowie selbst gespieltes Theater werden die Schüler mit „Literatur“ und Lesestoff in Berührung gebracht, wodurch die Lust an Sprache, an gespielter Sprache, gefördert werden soll.

3.7 PRÄSENTATIONEN

Schon in den unteren Jahrgangsstufen ist es laut Lehrerkonferenzbeschluss möglich, Projekt-Schulaufgaben durchzuführen. Dabei lernen die Schüler, ein Thema zu erfassen, zu gliedern, Informationen selbst zu recherchieren, diese so aufzubereiten, dass sie von einem Publikum verstanden werden können, Rollen zu verteilen und das Thema ansprechend zu präsentieren. Dabei kommen die Jugendlichen immer mit Texten in Kontakt, die sie bearbeiten und so aufbereiten müssen, dass sie für andere Mitschüler und Lehrer verständlich werden. Diese Kompetenzen schulen die Lernenden durch die Erfordernisse der Präsentationen.

Dadurch werden erheblich das sinnverstehende Lesen, der Umgang mit Sprache und die individuelle Persönlichkeit der Schüler gefördert, indem sie lernen, vor Publikum zu sprechen.

Viele Möglichkeiten gibt es, um Sprache zu fördern. Wichtig ist, dass jeder erkennt, dass es notwendig und gleichzeitig sehr schön ist, auf allen möglichen Wegen mit Sprache umzugehen, sie zu nutzen und sich an Worten zu erfreuen.

Das Menschlichste, was wir haben, ist doch die Sprache, und wir haben sie, um zu sprechen.
Theodor Fontane (1819-98), dt. Erzähler

 

Wunsiedler BiSS-Schulen bei der 1. Bayerischen Fachtagung in Nürnberg – feierliche Verleihung der BiSS-Plakette

Im Nürnberger Tageszentrum „südpunkt – forum für bildung und kultur“ versammelten sich zur 1. Bayerischen Fachtagung der BiSS Initiative, einem bundesweiten Sprachförderprojekt, am Dienstag, den 21. April, alle am BiSS -Projekt beteiligten Institutionen aus Bayern aus dem Elementar-, Primar- und Sekundarbereich – also waren aus Kindertagesstätten, Grundschulen und weiterführenden Schulen Erzieher und Lehrkräfte vertreten.

Unter der Regie des IFP (Staatsinstitut für Frühpädagogik) unter der Leitung von Eva Reichert-Garschhammer und des ISB (Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung) unter Federführung von Hermann Ruch wurde den 150 Teilnehmern, den Koordinatoren der bayerischen BiSS Verbünde sowie den Erziehern der Kitas und Lehrkräften der Schulen ein informatives und anspruchsvolles Fortbildungsprogramm geboten.

Nach den Grußworten der Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, Dr. Hans Eirich, und der Ministerialdirigentin Elfriede Ohrnberger vom Staatsministerium für Bildung, Kultus, Wissenschaft und Kunst wurden den Verbund-Koordinatoren feierlich die Plaketten verliehen, verbunden mit Dank und Wertschätzung für die Arbeit zur Sprachförderung. Mit der Anbringung der Plakette weisen sich nun die Einrichtungen als BiSS-Schulen und -Kindergärten aus.

Hochkarätige Fachvorträge waren zu hören; so von Herrn Prof. Dr. Hans-Joachim Roth von der Universität Köln zur durchgängigen Sprachbildung, der die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Vermittlung von Bildungssprache vom Kindergarten über Grundschulen in die weiterführenden Schulen als unerlässliches Mittel zur Aneignung von Bildung und zur Wahrnehmung von Bildungschancen verdeutlichte.

Frau Prof. Dr. Iris Füssenich von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg referierte darüber, dass der Erwerb von Grundlagen der Schriftsprache bereits im Kindergarten angebahnt und unterstützt werden muss.

Zudem besuchten die BiSS-Pädagogen an der Erziehungs- und Unterrichtspraxis orientierte Fachforen, z. B. zum Lesetraining und zur Verbesserung des Textverständnisses.

Die von beiden Wunsiedler BiSS-Schulen (das Luisenburg-Gymnasium und die Sigmund-Wann-Realschule) angereisten Lehrkräfte profitierten von diesen Vorträgen und Workshops und sahen sich mit ihren bereits in die Wege geleiteten Maßnahmen zur Leseförderung mit den Lesestrategie-Fächern, dem „Oberfränkischen Textknacker“ für die Unterstufen-Klassen und dem „Oberfränkischen Textstrategen“ für die Mittelstufe, als wirksames Instrument für die Schüler bestätigt. So empfanden Verbundkoordinator StD Udo Spörl, StR Stefanie Hösl, OstR Martin Ecker vom Luisenburg-Gymnasium und SRin Ute Grünler von der Sigmund-Wann-Realschule die erstmals in diesem Rahmen stattfindende Fachtagung als äußerst gewinnbringende, innovative Fortbildung und freuten sich, dass sie mit ihren Initiativen auch in einem der Fachforen von den Ausführungen von Frau Ulrike Krug vom Kultusministerium Hessen bestärkt wurden.

Zudem fand in der vorangegangenen Woche eine oberfränkische BiSS-Tagung am Meranier-Gymnasium in Lichtenfels statt. Hierzu war eigens der BiSS-Landeskoordinator Hermann Ruch vom ISB angereist, um den oberfränkischen BiSS-Mitgliedern Anerkennung zu zollen und den eingeladenen Schulleitungen, Schulräten und Vertretern der Dienststellen der oberfränkischen Ministerialbeamten für die Gymnasien und die Realschulen als Schulaufsichtsbehörden zu verdeutlichen, dass es sich lohnt, die von den oberfränkischen BiSS-Verbünden entwickelten Lesefördermaßnahmen zum Wohle der Kinder zu unterstützen, sodass diese auch tatsächlich umgesetzt werden können. Besonders erfreut waren die Organisatoren, dass sie die beiden Verbundkoordinatoren des BiSS-Projekts „Leseschule Nordrhein-Westfalen“, Philipp Mussinghoff und Dirk Reimann, begrüßen konnten. Sie leisteten besonders bei den Vertretern der Schulverwaltung und Schulleitungen große Überzeugungsarbeit, indem sie ihnen an dem von ihnen zusammengestellten Schulverbund darstellten, wie Leseförderung von Grundschulen über die sogenannte „Schnittstelle“ bis in die weiterführenden Schulen mit einem einheitlichen Konzept konkret und effektiv praktiziert werden kann.

In Wunsiedel möchten die Verantwortlichen nun diesen Weg weiter beschreiten und schulartübergreifend in die Fläche tragen, um die Kinder konkret und nachhaltig zu fördern.