Zeitzeugengespräch

An Silvester 1983 habe er mit seinem Freund Andi um drei Flaschen Rotkäppchensekt gewettet, dass er in zehn Jahren die USA gesehen haben werde, erzählte Dietmar Schultke den Schülerinnen und Schülern der 10. Jahrgangsstufe an der Sigmund-Wann-Realschule. Eine vielleicht nicht ganz alltägliche, aber dennoch machbare Wette für einen jungen Erwachsenen – könnte man meinen. Aber Schultke wuchs in der DDR auf. Und was dies genau für einen Heranwachsenden bedeutete, davon berichtete er während seines Vormittags an der Wunsiedler Bildungseinrichtung: Dass man bei Klassenarbeiten gezwungen war zu lügen, wollte man eine gute Zensur erreichen oder dass es nicht selbstverständlich war, täglich Südfrüchte kaufen zu können oder eben nicht ins Land seiner Träume, in Schultkes Fall die USA, reisen zu können. Theoretisch hätte er gedurft – nach einer 50-jährigen Wartezeit, also im Rentenalter. Aber man arrangierte sich im „anderen“ Deutschland. Äußerst interessiert verfolgten dann die Schülerinnen und Schüler, wie Dietmar Schultke seinen 18-monatigen Wehrdienst 1987/88 beschrieb. Denn dann hieß es für ihn nach der Grundausbildung, die innerdeutsche Grenze am Harz zu sichern. Und die Wette? „Die habe ich tatsächlich gewonnen“, grinst Dietmar Schultke und präsentierte einige Fotos seiner ersten USA-Reise, ehe er im Anschluss seines kurzweiligen Vortrags noch für Fragen und Fotos zur Verfügung stand.